«Das Bezirksratsamt passte zu mir wie ein Massanzug»

    Ein Amt mit grosser Verantwortung, viel Arbeit und wenig Öffentlichkeit: Nach mehr als 13 Jahren verabschiedet sich Sandra Bizzarri aus dem Bezirksrat Horgen und blickt auf ihre bewegte Amtszeit zurück.

    (Bild: zVg) Die Gedenkscheibe hat Sandra Bizzarri anlässlich ihrer Abschiedsfeier geschenkt bekommen.

    Das Bezirksratsmandat ist ein Milizamt – und damit weit mehr als ein gelegentlicher Einsatz. Bizzarri reduzierte ihre berufliche Tätigkeit auf 80 Prozent. Ein ganzer Arbeitstag pro Woche war für den Bezirksrat reserviert, dazu kamen Abende und Wochenenden. Berichte schreiben, Aufsichtsbesuche vorbereiten und Visitationen auswerten gehörten zum Alltag. Trotzdem spricht sie mit Begeisterung über ihre Tätigkeit. Das Amt sei ihr persönlicher Beitrag für die Gemeinschaft und den Bezirk gewesen. Gerade darin sieht sie eine Stärke des Schweizer Milizsystems: Es lebt von Menschen, die bereit sind, neben Beruf und Privatleben zusätzliche Verantwortung zu übernehmen. Unterstützt wird der dreiköpfige Bezirksrat durch juristisches und administratives Personal der Kanzlei. Die Mitglieder entscheiden als Kollegialbehörde gemeinsam. Dass Entscheide des Bezirksrats vergleichsweise selten an die nächsthöhere Instanz weitergezogen werden, wertet Bizzarri als Zeichen für die Qualität der Arbeit.

    Von der Verwaltung in den Bezirksrat
    Für ihr Amt brachte Bizzarri ideale Voraussetzungen mit. Nach einer kaufmännischen Lehre auf einer Aargauer Gemeinde arbeitete sie mehrere Jahre auf einem Zivilstandsamt, bevor sie in die Privatwirtschaft wechselte. Sie beschäftigte sich früh mit Verwaltungsrecht und verfügt über einen Executive MBA der Fachhochschule St. Gallen. Eine klassische politische Karriere hatte sie nicht. Rückblickend bezeichnet sie sich selbst als «Nobody», als sie für das Amt kandidierte. Unterstützung erhielt sie von der Interparlamentarischen Konferenz des Bezirks Horgen. Als Seconda mit italienischen Wurzeln und mit ihrem beruflichen Hintergrund erhielt sie die Chance, Bezirksrätin zu werden. Heute sagt sie, das Amt habe zu ihr und ihren Fähigkeiten «wie ein Massanzug» gepasst.

    Ihre Parteizugehörigkeit zur GLP spielt bei ihrer Arbeit keine Rolle. Der Bezirksrat sei keine politische Behörde, sondern eine Rechtsmittel- und Aufsichtsinstanz. Entscheidend sei einzig das geltende Recht. «Das Gesetz hat stets Vorrang», lautet ihr Grundsatz.

    Sicherheit als oberstes Gebot
    Eine besondere Aufgabe übernahm Bizzarri als Heimreferentin. Sie war für Invalideninstitutionen, Alters- und Pflegeheime sowie Spitex-Organisationen im oberen Bezirksteil zuständig. Bei regelmässigen Besuchen kontrollierte sie die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben. Besonders wichtig war ihr die Sicherheit. Sie achtete auf Medikamentenprozesse, Datenschutz, Hygiene und eine sichere Infrastruktur. Dem Brandschutz schenkte sie von Beginn an besondere Aufmerksamkeit. Auch scheinbar kleine bauliche Mängel können grosse Folgen haben: fehlende Handläufe, ungenügende Absturzsicherungen oder eine für Menschen mit Demenz ungeeignete Beleuchtung können ernsthafte Risiken darstellen. Auch während der Pandemie setzte Bizzarri ihre Aufsichtsbesuche fort. Sie wollte vor Ort sehen, ob Hygienevorgaben, Lieferwege und die Organisation des Besucherstroms funktionierten. Ihre Forderungen stiessen nicht immer sofort auf Begeisterung, mit der Zeit habe sich die Haltung jedoch verändert.

    Prägend waren für sie auch zwei Fälle, in denen der Bezirksrat wegen schwerer Konflikte innerhalb einer Gemeinde beziehungsweise einer Schulpflege aufsichtsrechtlich eingreifen musste. Ziel war es, die Funktionsfähigkeit der Gremien trotz heftiger Auseinandersetzungen aufrechtzuerhalten. In einem Fall richtete sich die Aggression sogar gegen den Bezirksrat selbst. Solche Situationen seien anspruchsvoll, glücklicherweise aber selten.

    Mehr Transparenz für die Bezirksräte
    Ein Thema, das Bizzarri schon lange beschäftigt, ist die Transparenz. Bereits 2015 setzte sie sich in einer Arbeit im Rahmen ihres Nachdiplomstudiums mit der Öffentlichkeit der Bezirksratsarbeit auseinander. Für sie ist klar: Staatliches Handeln muss nachvollziehbar sein. Dass künftig mehr Entscheide der Bezirksräte öffentlich publiziert werden sollen, freut sie deshalb besonders. Mehr Transparenz stärkt aus ihrer Sicht das Vertrauen der Bevölkerung in die Behörden und in das Justizsystem. Nun beginnt für Bizzarri ein neuer Abschnitt. Sie verabschiedet sich mit grossem Dank von ihren Kolleginnen und Kollegen im Bezirksrat und in der Kanzlei sowie von den zahlreichen Menschen, mit denen sie während ihrer Amtszeit zusammengearbeitet hat.

    pd

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